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Unsere Orientalische Reben

Betooni, Dabuki, Jandali, Zaini, Shami, Bairuti, Salti...  mehr ›


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Unsere Orientalische Reben

Betooni, Dabuki, Jandali, Zaini, Shami, Bairuti, Salti Khdari, Hamdani, Baluti, Darawishi oder Baladi sind Rebsorten, deren Namen uns in Europa nahezu unbekannt sind und die uns, wegen der ungewohnten Aussprache, auch nur schwer über die Lippen kommen wollen. Aber es handelt sich bei vielen dieser Reben um uralte autochthone[1]  Reben des Nahen Ostens, deren Anbau eine lange Tradition hat. In Palästina werden diese Trauben heute auf einer Fläche von ca. 7.600 Hektar angebaut und vorwiegend als Speisetrauben verwendet. Zudem werden die Trauben sowohl zur Herstellung von Melasse, einem honigartigen dunkelbraunen Zuckersirup, von Rosinen, Saft und auch Essig genutzt. Bislang ist es allein das Salesianer-Weingut CREMISAN, welches aus solchen autochthonen Reben auch Wein produziert. Ein eindeutiges Alleinstellungsmerkmal dieses kleinen und einzigen Weingutes Palästinas.

Einige andere Reben mit arabischen Namen wurden aus weiteren Regionen des Nahen und Mittleren Ostens, wie dem Jemen, Saudi-Arabien, Ägypten, Syrien und dem Libanon, in Palästina eingeführt. Manchmal weisen die Namen auf diese Einfuhr hin: Der Name Shami z.B. bezieht sich auf „as-Sham“ eine traditionelle Bezeichnung für Damaskus und das damaszener Umland, bzw. ganz Syrien; in Bairuti klingt Beirut an und Salti Khadari bezieht sich auf die Stadt Salt in Jordanien, ca. 70 Kilometer von Hebron entfernt.

Wieder andere Namen gehen zurück auf eine Charaktereigenschaft der Traube oder eventuell auf einen Familiennamen eines Clans der sich in besonderer Weise mit dem Anbau dieser Rebsorte bekannt gemacht hatte. Die Dabuki-Rebe z.B., welche, wie genetische Untersuchungen ergaben, nur in der Region um Bethlehem selbst zuhause ist, hat ihren Namen aus ihrer Süße. Der arabische Terminus „dabuki“ meint „besonders süß“.

Auch der Rebname „Zaini“ dürfte aus der Süße der entsprechenden Traube entstanden sein. Diese Zaini-Trauben waren es auch die dem Ort des Klosters Cremisan den Namen gegeben haben: „Kerem Zan“ - hebräisch „Weinberg der Zani-Trauben“ - daraus wurde mit der Zeit Cremisan.

„Baluti“ verweist auf einen Baum, einer orientalischen Ausgabe der Eiche; möglicherweise weil die Traube in Form und Farbe (längliche Traubenform) der Frucht dieses Baumes ähnlich ist. Solche phänomenologische Ableitungen scheinen unter den Vorfahren der heutigen Weinbauern im Nahen Osten sehr üblich gewesen zu sein, um die Bezeichnungen für die Trauben zu entwickeln. Die Sorte „Malikat Libnan“ z.B., „Königin des Libanon“, dürfte diese Bezeichnung erhalten haben weil ihre Anordnung der Trauben in der Rebe von einer besonders schönen Regelmäßigkeit gekennzeichnet ist und die Traube durch Duft und Geschmack hervortritt.

„Hamdani“ geht möglicherweise auf die gleichnamige Familie[2] zurück, welche noch heute existiert, oder aber auf die Tatsache, dass „hamdani“ eine arabische Anspielung auf die Härte der Traubenhaut ist und auf die hohe Anzahl an Kernen in der Traube die die Traube „knusprig“ machen.

Baladi[3]   wiederum benennt seine Herkunft „vom Land“. Als Adjektiv von „Balad“ (das Land) – ländlich - oder auch mit der Personalendung „i“ (mein Land) beschreibt die Rebe zwar „etwas Einfaches“, schafft allerdings im Ausbau einen sehr voluminösen, an Aromen reichen und zugleich weichen Wein.

Riccardo Cotarella, Italiens wohl bekanntester Weinberater, regte die salesianische Gemeinschaft in Beit Jala vor Jahren an, den mutigen Versuch zu wagen aus den einheimischen Reben Wein zu erzeugen. Inzwischen wird im Weingut Cremisan aus dem Spektrum der internationalen Reben nur noch der Cabernet Sauvignon ausgebaut – alle anderen Weine werden aus heimischen Traubensorten gewonnen.

Da die Region um Bethlehem seit alters her bekannt ist für ihre Weinproduktion, kann angenommen werden, dass auch schon in den Tagen berühmter Bethlehemiten, wie dem jüdischen König David, aus diesen Trauben Wein erzeugt wurde.

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[1] Der Begriff „autochthon“ leitet sich aus dem Griechischen ab von „selbst” und “Erde” und meint also etwa „bodenständig“, „eingeboren“ oder „alteingesessen“. Der Terminus bezieht sich auf einheimische oder indigene Arten die im aktuellen Verbreitungsgebiet entstanden sind bzw. sich evolutionär gebildet haben oder dort, ohne menschlichen Einfluss, im Zuge von natürlichen Arealerweiterungen eingewandert sind.

[2] Dieser Stamm hat seine Ursprünge im Jemen und ist bereits im Jahrhundert vor der Zeitenwende schriftlich belegt. In diesen Tagen waren Teile des Jemen „weltweit“ bekannte Weinbaugebiete.

[3] Unter dem gleichen Begriff wird allerdings auch ein ländlicher Tanz gehandelt, welcher seinen Ursprung in Ägypten hat.