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Willkommen in der kunstandwerklichen Schule

   Achmad begrüßt
Sie in der kunsthandwerklichen Abteilung
der Technischen Schule der Salesianer
in Bethlehem

 

Es hat einige Jahre und viel gutes Zureden gebraucht, bis wir als Schüler und Lehrer der kunsthandwerklichen Abteilung bereit waren, unsere Arbeiten öffentlich anzubieten.
Hier in Bethlehem ist es nicht nur eine uralte Tradition Keramik und Ware aus Olivenholz herzustellen - es gibt auch viele Betriebe mit langer Überlieferung und großem Wissen.
Zwar haben die Salesianer diese Abteilung der Schule vor einigen Jahren erst gegründet, um die Qualität insgesamt zu verbessern - aber wir waren lange unsicher, wie gut wir wirklich sind. Nun haben wir Mut gefasst und bieten Ihnen unsere Arbeit an.
Rechts können Sie durch einen "Klick" auf die entsprechende Kachel unser aktuelles Angebot finden - und - weitere Informationen über unsere Abteilung in der Schule.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und viel Glück in Ihrem Leben.
   

 



Tradition der Keramikkunst im Nahen Osten

Die Gefäßkeramik hat im anatolisch-mesopotamischen Raum vor 9.000 bis 10.000 Jahren ihren Ursprung genommen, nachdem bereits 20.000 Jahre zuvor die Erkenntnis gereift war, dass manche Erden sich besonders gut formen und durch Brand verfestigen lassen. Von dort hat sie ihren Siegeszug begonnen. So waren auch im Nahen und Mittleren Osten die Regionen an den großen Flüssen, Nil, Euphrat und Tigris die ältesten Kulturorte für gebrannte Tonware.
Erst relativ spät wird aus verzierter Gebrauchskeramik das, was wir heute "Kunst" nennen. Einen wesentlichen Anteil daran trug die Islamische Expansion und Geschichte mit ihrem theologischen "background". Die Verwendung von Schrift als Kunstelement ist nicht nur einem eigenen Bilderverbot geschuldet, sondern auch einem Verkündigungsverständnis. Sichtbar gewordener Ausdruck von Gottes Wort war darin abgebildet. Die Verwendung spezifischer Ornamente sollte zudem kosmische Harmonie und göttliche Gesetzmäßigkeiten anzeigen. Mit Fug und Recht darf behauptet werden, dass die Islamische Welt auf dem Gebiet der Keramik Einzigartiges geschaffen hat. Die Wertschätzung der Tonware findet nicht nur in einer Vielzahl von Formen und Farben ihren Niederschlag, sondern auch in der islamischen Poesie. Die Befassung mit dem Ton - Urstoff aus dem der Mensch geschaffen ist - wird als Teilhabe am Schöpferhandeln Gottes verstanden. So genießen Tonkünstler sehr früh höchstes Ansehen. Bereits in der frühen Abbasidenzeit werden Kunstwerke aus Ton "signiert" mit "aamala" ("hat er gemacht") und Namensangabe und werden so zu sehr individualisierten Momenten, die es in der gemeinschaftsorientierten Gesellschaft jener Tage nur selten gab. Verschiedene Orte werden zu Zentren der Töpferkunst. Ihre Waren werden weltweit gehandelt. Die Künstler gelangen - entweder auf der Basis bester Bezahlung - oder aber im Kontext von Verschleppung und Versklavung - an die unterschiedlichste Herrscherhöfe, wo sie in der Regel aber in höchster Ehre gehalten werden. Dabei kommt es auch zur Beeinflussung aus anderen Regionen der Welt, bzw. in der Umkehr, zur Beeinflussung durch die islamische Kunst. Die Kunst wird noch reicher und vielgestaltiger und findet mehr und mehr auch ihren Weg über die Töpferscheibe hinaus - hin zur Herstellung von Fliesen.

In Palästina waren in der Frühzeit zuallererst Tonwerker für Gebrauchsgegenstände tätig. Von Funden in Ägypten weiß man, dass schon sehr früh Amphoren aus Palästina im Land am Nil geschätzt wurden, nicht nur wegen ihrer Dickwandigkeit, sondern auch wegen der Feinporigkeit des Tons, der sich für die Bevorratung von Getränken bestens eignete. Amphoren mit Wellenhenkeln sind eindeutig Südpalästina als Herstellungsort zuzurechnen. Dort nimmt mit der Entwicklung der Kunstfertigkeit auch die Bemaldichte zu, zunächst mit eher geometrischen Figuren, später mit Darstellungen aus Fauna und Flora (z.B. Darstellung des Granatapfels). Bedingt durch die Nähe zum Meer kommt es über die Zeit zu einem vermehrten Austausch mit Kunstansätzen aus anderen Mittelmeerländern und aus Zypern. Nach der Übernahme der Herrschaft durch das osmanische Reich werden in Palästina, Glasuren entwickelt, deren Strahlkraft die Menschen jener Tage massiv beeindruckt haben müssen. Bis in die Moscheebauten von Konstantinopel finden diese Erzeugnisse ihren Weg. Das als "Nizäa der Fayencen" bekannte Iznik ("Iznik Cineleri) wird unter anderem durch die Übernahme dieser Glasuren berühmt. Ähnlich hochwertige Ware wird auch in Syrien produziert; noch heute sind einige alte Hammams in Damaskus (innen) mit Fliesen aus jenen Tagen verziert.
Im Umfeld des Christlichen trifft sich in den nach Jerusalem und Palästina ziehenden Armeniern, welche früh eine Affinität für das sogenannte Heilige Land entwickelten, armenische Keramikkultur mit islamischer Kunst. Die, unter dem Schutz des Islam vor der Westkirche, sich eng an den Islam anschmiegenden Armenier verbinden christliche und islamische Momente und gelten über lange Zeit als besonders begabte Künstler. Nach 972 genießen die Armenier sogar den besonderen Schutz der fatimidischen Kalifen aus Ägypten. Für die Kreuzfahrer waren die Armenier zunächst Fremde und sogar Feinde. Dennoch entwickelt sich eine erfolgreiche Beziehung in der auch die Kunst überleben kann. Nach der Vertreibung der Kreuzfahrer sind es armenische Kachelbrenner, die die immer wieder zu erneuernden Kacheln des Felsendomes in Jerusalem verzieren.

So wird durch die Geschichte die Keramikkultur Palästinas zu einer eigenen, sowohl christlichen, wie islamischen Wurzeln, sich verdankenden Kunst, die durchgängige Hochachtung erfährt. Heute ist Vieles an dieser Kultur leider reduziert auf touristisch motivierte Arbeit. Aber an einzelnen Orten versucht man die Kultur der Tonveredelung im Spannungsfeld von Klassik und Moderne zu bewahren.

Das Kunstzentrum bietet Schülerinnen und Schülern eine zweijährige Ausbildung im kunsthandwerklichen Bereich an. Sie lernen, professionell Olivenholz zu schnitzen, Keramik herzustellen und Kunstarbeiten aus Perlmutt anzufertigen – traditionelle Produkte - durchaus mit Zukunft. „Berufliche Qualifikation ist die einzige Chance für die Jugendlichen", sagt Fr. Mario Murru SDB, der Verantwortliche der Technischen Schule. Die Ausbildung bei den Salesianern ist staatlich anerkannt - das ist wichtig, selbst für die Jugendlichen, die später einmal eher nach Jordanien gehen wollen als in Palästina zu bleiben. An den Werkbänken lernen christliche und muslimische Schüler nebeneinander.


Tradition der Olivenholzbearbeitung in Palästina

Die Bearbeitung von Olivenholz, insbesondere mit der Ausrichtung auf religiösen Gebrauch geht in Bethlehem bereits auf das 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurück. Die frühe Pilgerbewegung und die Errichtung der ersten und ältesten Basilika der Christenheit dürften hierbei Auslöser gewesen sein. Deutlich älter noch ist die Tradition aus dem Holz von nicht mehr fruchttragenden Bäumen Gebrauchsgegenstände für den Alltag herzustellen. Da so keine Beeinträchtigung der Olivenernte geschaffen wurde, haben die Menschen der Region schon früh, diesen Weg eingeschlagen. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse zur Herstellung religiöser Gegenstände gehen auf die Zeit der Franziskaner in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück - als erstmals über die Herstellung von Rosenkränzen aus Olivenholz berichtet wird. Im 16. Jahrhundert dann bringen die Franziskaner Holzschnitzer aus Genua und Venedig nach Bethlehem und es entsteht ein größerer Zweig der künstlerischen Olivenholzbearbeitung. Im 19. Jahrhundert wurde die Arbeit am Holz erweitert durch die Bearbeitung von Perlmutt.
Nach der Nakba, der Vertreibung der Palästinenser durch die Staatsgründung Israels, kam aus Ein Karem die Familie Zacharia nach Bethlehem, um hier zu leben. Durch sie wurde die Olivenholzbearbeitung wieder ein bedeutsamer Wirtschaftzweig im Leben der Menschen in Bethlehem - allerdings auch mit einem "mono-kulturellen" Touch. Nahezu 50% aller holzbearbeitenden Betriebe waren in den 50er und 60er Jahren in Bethlehem zentriert. Durch die Besatzung ab 1967 wurde diese Situation massiv beeinträchtigt, besonders als im Zusammenhang mit der Errichtung der Trennmauer zwischen Israel und Palästina in der zweiten Intifada Tausende und Abertausende von Olivenbäumen dem Bulldozer zum Opfer fielen (und fallen). Diese Problematik beeinträchtigt die Lebenswirklichkeit vieler Familienbetriebe bis in die Gegenwart.